Kinder- und Jugendmedizin
Hör-Screening für alle Neugeborenen
Häufigkeit angeborener Hörstörungen:
- Hörstörungen sind selten, ca. 1-2/ 1 000 Neugeborenen. Nach Studien ist die Diagnose in Deutschland immer noch sehr spät, dass heißt, sie erfolgt erst mit 1 ½-2 ½ Jahren. Die Folgen einer späten Diagnose sind verspäteter Spracherwerb und damit eine insgesamt verzögerte Entwicklung.
Apparative Diagnostik:
- OAE: Otoakustische Emissionen sind Antworten des Innenohrs auf einen gesetzten Reiz im Gehörgang, der über das Trommelfell und ein intaktes Mittelohr durch die Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel) auf das Innenohr übertragen und reflektiert wird. Mit dieser Methode werden alle peripheren Hörstörungen über 30dB erfasst.
Welche Bedeutung hat ein auffälliger Test?
Ein einseitig auffälliger Test sollte zwar kontrolliert werden, die normale Reaktion auf
dem anderen Ohr ermöglicht jedoch das Hören und den Erwerb einer normalen Sprache. Beidseitig auffällige Reaktionen sollen kurzfristig kontrolliert werden.
Bei konstant auffälligem Befund sollte eine BERA durchgeführt und das Kind einem Pädaudiologen vorgestellt werden.
Zeichen eines normalen Gehörs sind:
Blickwendung eines Säuglings zur Geräuschquelle und das Lautieren im Alter von 4-6 Monaten, z.B. Silbenketten mit 6 Monaten.
TEOAE = transitorisch evozierte otoakustische Emissionen
(wiederholter kurzer breitbandiger Schallimpuls mit
einer Frequenz von 2-4 KHz)
DPOAE = distorsionsproduzierte otoakustische Emissionen.
Der Reiz wird durch 2 oder 3 Sinustöne unterschiedlicher
Frequenz zwischen 2+4 KHZ ausgeübt.
BERA = brainstem evoked response audiometry
= Hirnstammaudiometrie
Schallreize werden durch das Mittelohr auf das Innenohr
übertragen und gelangen über den Hörnerv zum Stammhirn.
Untersuchungen des Neugeborenen im Krankenhaus
(in den ersten 3-4 Lebenstagen)
- Kinderärztliche Erstuntersuchung in den ersten
24 Lebensstunden
- Anwesenheit des Kinderarztes bei Risikogeburten
(Kaiserschnitt, Saugglocken- Entbindung, Frühgeburt)
- U2-Vorsorgeuntersuchung am 3. Lebenstag
- Tägliche kinderärztliche Visite durch einen erfahren
Kinderarzt (Neonatologe)
- Ultraschalluntersuchungen:
- Hüft-Screening bei allen Neugeborenen
- Sonographie von Schädel, Nieren oder Herz bei
Auffälligkeiten in der Vorgeschichte oder bei dem
Untersuchungsbefund
- Hörtestung bei allen Neugeborenen (OAE-Screening)
- Stoffwechseluntersuchung bei allen Neugeborenen
(Screening auf 15 verschiedene angeborene Stoffwechselkrankheiten)
Sonstige besondere Leistungen für das Neugeborene
- Rooming-in (auch bei kranken, jedoch stabilen Neugeborenen möglich)
- Gelbsucht (Hyperbilirubinämie)
- Behandlung im Bestrahlungsbett (Rooming-in möglich)
- Beratung für sicheren Schlaf (Schlafsack etc.)
- Stillberatung (Stillcafé)
- Geschwisterbesuche des Neugeborenen
- Elternschulung (in der Schwangerschaft)
- Großelternschulung
- Säuglingspflegekurs
- Babymassage
Betreuung des Neugeborenen im St. Vinzenz-Hospital Dinslaken
Zur optimalen Versorgung Ihres Neugeborenen stehen verschiedene Berufsgruppen zur ständigen Verfügung:
- Geburtshelfer
- Hebammen
- Kinder/-Krankenschwestern
- Kinderärzte (Neonatologen)
- Stillberaterinnen
Das Krankenhaus ist als Perinatalzentrum Level II anerkannt.
Was bedeutet Perinatalzentrum Level II?
Nach den Leitlinien des gemeinsamen Bundesausschusses sind die Aufnahmekriterien für Perinatalzentren Level II:
- Versorgung von Frühgeborenen ab einer Reife von 29 Schwanger-
schaftswochen oder einem Geburtsgewicht von 1 250g
- Zwillinge ab 29 Schwangerschaftswochen
- Schwere Schwangerschaftsassoziierte Erkrankungen
(Wachstumsretardierung < 3. Perzentile bei Präklampsie,
Gestose, HELLP-Syndrom
- Insulinpflichtige diabetische Stoffwechselstörung mit fetaler Gefährdung
Das St. Vinzenz-Hospital hat mit ca. 1 100 Geburten im Jahr eine fortschrittliche und optimale Versorgung von Mutter und Kind bei gleichzeitig möglichst familienfreundlichen Bedingungen