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Psychiatrie und Psychotherapie

Tagesklinik Dinslaken

In Dinslaken hält die Station 11, in Wesel unsere Tagesklinik im Telekomgebäude ein teilstationäres Angebot für das gesamte Spektrum psychiatrisch-psychotherapeutischer Erkrankungen vor.

Die hohe Akzeptanz der Tagesklinik durch die Bürger und die Ärzte der Region, die in der hohen Zahl der Direktzuweisungen sichtbar wird, erklärt sich nicht zuletzt dadurch, dass in der Bevölkerung die tages-klinische Behandlung nicht im gleichen Maß mit alten Vorurteilen gegenüber psychiatrischer Behandlung (Klapsmühle, geschlossene Unterbringung, womöglich für immer, Zwangsmaßnahmen) verknüpft wird, die zu erhöhten Schwellenängsten hinsichtlich der vollstationären Unterbringung führen.

Warum tagesklinische Behandlung?

Der Einschnitt in die Lebensplanung ist oft sehr groß, wenn sich Anzeichen einer seelischen Erkrankung zeigen:

  • Reduzierte Leistungsfähigkeit im Beruf,
  • zunehmendes Desinteresse an Aktivitäten des täglichen Lebens,
  • Rückzug von Freunden und Verwandten,
  • Ängste und Panikattacken

sind nur wenige von vielen Symptomen, die den Menschen dann belasten können.

Wie aber damit umgehen?

Allein bereits ambulant einen niedergelassenen Psychiater aufzusuchen ist für viele Menschen mit großer Überwindung verbunden, werden doch psychisch Kranke auch heute nicht selten immer noch stigmatisiert. Sind die Beschwerden so ausgeprägt, dass eine stationäre Behandlung erforderlich wird, bricht für viele eine Welt zusammen:

vor allem, wenn die Klinik nicht in unmittelbarer Wohnortnähe liegt, wächst beim Pat. die Furcht vor einer zunehmenden Distanzierung zum bisherigen Lebensumfeld, möglicherweise sogar einer Entfremdung von Freunden und Verwandten.

Im Gespräch

Wie haben sich die Tageskliniken in Deutschland entwickelt?

Doch erfreulicherweise hat das in den siebziger Jahren immer größer und auch immer öffentlicher werdende Unbehagen mit der damaligen Psychiatrie entscheidende Fortschritte bewirkt. Erinnern wir uns an den Bericht der Psychiatrieenquete in den 70-er Jahren.

Die Arbeit dieser Kommission war der entscheidende Grundstein für eine umfassende Reform der psychiatrischen Versorgung in Deutschland, mit dem der Wechsel
von einer verwahrenden zu einer therapeutisch und rehabilitativ ausgerichteten Versorgung eingeleitet wurde. Bedarfsgerechte ambulante und komplementäre Hilfsangebote im Lebensumfeld der Betroffenen wurden geschaffen.
Im Vordergrund stand insbesondere die Dezentralisierung und Regionalisierung stationärer Hilfen, insbesondere die Integration psychiatrisch-psychotherapeutischer Fachabteilungen in Allgemeinkliniken und damit die Abkehr von psychiatrischen Großkrankenhäusern fernab von der Gemeinde.

Die psychiatrische Tagesklinik ist dabei als offene Institution ein Symbol für den Wandel von der kustodialen, verwahrenden zur therapeutischen Psychiatrie.
Obwohl noch keine 60 Jahre alt, hat sie zunächst als „Day Hospital Movement“ in England, wenig später in den USA und später in Deutschland Psychiatrie-Reformgeschichte geschrieben.
Im deutschsprachigen Raum galt die Tagesklinik allerdings noch vor drei Jahrzehnten als exotisch, als mehr oder weniger unrealistische Utopie. Erst mit der Ausweitung des ambulanten Sektors gewann auch die Tagesklinik in Deutschland an Bedeutung und ist heute selbstverständlicher Bestandteil der psychiatrischen Versorgung. Mittlerweile bestehen in Deutschland etwa 350 Tageskliniken mit ca. 8500 Plätzen.

Therapie

Aspekte einer tagesklinischen Therapie

Finzen beschrieb bereits Mitte der achtziger Jahre die Grundidee der Tagesklinik als ebenso überzeugend wie einfach:

„Wozu brauchen Pat., die nicht körperlich pflegebedürftig sind, für die aber ambulante Behandlung nicht ausreicht, ein Krankenbett? Was sollen sie nachts und am Wochenende im Krankenhaus, in dem der Therapiebetrieb auf die dringlichste Pflege und die ärztliche Notfallbereitschaft beschränkt ist? Warum sollen sie nicht am Abend in ihre Wohnung zurückkehren, warum nicht das Wochenende mit ihren Angehörigen und Ihren Freunden zu Hause verbringen?“

Für den Pat. bedeutet die tagesklinische Behandlung eine qualitative Verbesserung der Versorgung. Und unter dem Aspekt des zunehmenden Kostendrucks im Gesundheitswesen sind die durch die tagesklinischen Therapieformen möglich gewordenen Verkürzungen der vollstationären Liegezeit, in vielen Fällen die Vermeidung einer stationären psychiatrischen Behandlung, wesentliche Gesichtspunkte.

Vorteile gegenüber der stationären Behandlung

Somit stellt für sehr viele Pat. die tagesklinische Behandlung eine hervorragende
Alternative zur stationären Behandlung dar. Ähnlich dem Arbeitsleben verlässt der Pat. vormittags sein Zuhause und kehrt abends zurück; dieser als Normalität erlebte Ablauf erleichtert vielen Patienten die Entscheidung für eine rechtzeitige Aufnahme der Behandlung.
Während einer tagesklinischen Behandlung im gewohnten Umfeld verbleiben zu können ist ein wesentlicher Grund, weswegen seit Eröffnung der ersten deutschen Tagesklinik im Jahr 1962 das teilstationäre Behandlungsangebot kontinuierlich ausgeweitet wurde und mittlerweile einen unentbehrlichen Baustein in der Behandlung psychisch Kranker in der gemeindenahen Psychiatrie darstellt.

Vor allem die Gemeindenähe ist ein wesentlicher Grund für die Wahl eines zusätzlichen Standortes in Wesel. Während die psychiatrisch-psychotherapeutische Abteilung des St. Vinzenzhospitals die stationären Behandlungskapazitäten in Dinslaken wie auch weiterhin 20 tagesklinische Plätze vorhält und auch hier ein weiterer Ausbau dieser Behandlungsplätze vorgesehen ist, wurde die Einrichtung der Weseler Dependance vorgezogen; damit verbessert sich das Behandlungsangebot in einer Region, in der bisher die Alternative zu einer ambulanten Behandlung bei einem niedergelassenen Facharzt nur die stationäre Aufnahme in einer wohnortfernen Klinik darstellte.

Dies gilt umso mehr, als im Rahmen des moderneren Behandlungskonzeptes in der Weseler Tagesklinik auch ein großer Teil solcher psychischer Erkrankungen therapiert wird, die bisher unumgänglich der stationären Behandlung bedurften.

Im Gespräch

In unseren Tageskliniken, sowohl in Dinslaken wie auch in Wesel, werden Pat. ab dem 18. Lebensjahr behandelt, die z. B. an affektiven Störungen, einer Schizophrenie, Angsterkrankungen oder aber auch an psychischen Erkrankungen im Rahmen von Persönlichkeitsstörungen oder an Erschöpfungszuständen leiden, um nur einige Beispiele zu nennen. Nicht aufgenommen werden können Pat. mit akuter Eigen- oder Fremdgefährdung oder ausgeprägten Hirnabbauprozessen.

Durchaus möglich dagegen ist die Aufnahme von älteren Pat. mit psychischen Störungen, da für diese ein besonderes Behandlungssetting vorgehalten wird, dies in Zusammenarbeit mit dem im Aufbau begriffenen Gerontopsychiatrischen Zentrum der psychiatrisch-psychotherapeutischen Abteilung des St. Vinzenzhospitals in Dinslaken.

In diagnostischer wie therapeutischer Hinsicht bietet die Tagesklinik vergleichbare Leistungen wie eine stationäre Behandlung. Dies betrifft nicht nur die Pharmakotherapie, sondern auch die Psycho-und Soziotherapie wie auch medizintechnische Leistungen (z. B. Laboruntersuchungen, Röntgen, EEG, EKG, CCT oder MRT).

Wie bei einer stationären Behandlung kommt unter milieutherapeutischen Gesichtspunkten der Patientengemeinschaft eine besonders wichtige Rolle zu.
Viele Pat. Erleben es als große Entlastung festzustellen, dass auch andere Menschen psychisch krank sein können und sie mit ihren Symptomen und Problemen nicht alleine dastehen.
Das gegenseitige Zuhören und Verstehen erleben die Pat., die sich oft im Rahmen ihrer Erkrankung aus vielen Bezügen zurückgezogen haben oder sich ausgegrenzt fühlen, als wichtigen Faktor für ihre Genesung.

Für jeden Pat. wird ein individueller Therapieplan von allen an der Behandlung beteiligten Profession entwickelt d.h., von Ärzten, Pflegepersonal, Kreativtherapeuten, Sozialarbeitern.

Impressionen

Neben den individuellen Aspekten der Behandlung finden auch Aktivitäten statt, die für alle gemeinsam sind:

  • Nach dem Frühstück wird eine Morgenrunde durchgeführt, in der die Pat. ihr derzeitiges Befinden beschreiben und in der aktuelle organisatorische Veränderungen besprochen werden.
  • Im Laufe des Tages folgen dann Gruppentherapien, Entspannungsverfahren, Kreativtherapien wie Ergo-, Kunst-, Drama- oder Moto-Therapie, Pflegegruppen, Außenaktivitäten und Visiten.

Ziel der Behandlung ist es, Krankheitssymptome zu lindern und dem Pat. die Teilnahme am Alltagsleben wieder zu ermöglichen.
Am Ende der Behandlung kann der Patient seine Erkrankung und deren Folgen besser einschätzen, Frühwarnsymptome erkennen und er hat gelernt, welches Verhalten zur Bewältigung von Krisen hilfreich ist.
Oft heißt es auch für Pat., mit den Grenzen, die die Erkrankung ihnen aufzeigt, leben zu lernen oder aber auch, neue Perspektiven zu entwickeln.


Also nicht nur die Frage zu stellen:
  • was geht alles nicht mehr?
  • Sondern auch: was kann ich, wohin kann es gehen?
Krankheitsbilder

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