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Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Sportmedizin und Alterstraumatologie

Ballon-Kyphoplastie bei Wirbelkörperbrüchen

Operationsbezeichnung:
Ballonkyphoplastie von Wirbelkörpern, Kyphoplastie,
Zementstabilisierung von Wirbelkörpern.

Wann ist die OP angezeigt?

  • akute und chronisch schmerzhafte stabile Sinterungsfrakturen (Wirbelkörperbrüche) der Brust- und Lendenwirbelsäule bei Osteoporose,
  • frische traumatische Wirbelkörperfrakturen (Fraktur = Bruch) bei Osteoporose,
  • pathologische Wirbelkörperfrakturen bei Metastasen (Tochtertumore bei Krebs) und Wirbelkörpertumoren (Hämangiom, Multiples Myelom) [5, 10, 13].
  • Bestimmte traumatische Wirbelkörperfrakturen  (bei jüngeren Patienten unter Verwendung von resorbierbarem (abbaubarem) Knochenzement)
  • Selten: ggf. Kombination mit Fixateur intern (Stabilisierung mit Schrauben und Stabsystem)

Operationstechnik:
Aufrichten des Wirbelkörpers mit einem mit Flüssigkeit gefülltem Ballon, Stabilisieren der Aufrichtung mir eingebrachtem Knochenzement (bei jüngeren Patienten ggf. abbaubarer Zement). Der Eingriff erfolgt über zwei ca. 7mm lange Minischnitte pro Wirbelkörper und unter ständiger Röntgenkontrolle mit dem mobilen Röntgengerät (Bildwandler) im OP. Dauer der Operation ca. 30 – 45 Minuten pro Wirbel.

(siehe Abb. 1 bis 3 rechte Seite)

Krankenhausaufenthalt: Meist wenige Tage.

Nachbehandlung:

  • Vollbelastung schmerzabhängig ab dem ersten Tag nach der Operation
    mit dem Vorteil, dass man kein Korsett tragen muss!
  • Begleitend und Vorbeugend Krankengymnastik und Rückenschule.
  • Angepasste medikamentöse Osteoporosetherapie.
  • Kontrolle der Knochendichtemessungen beim weiterbehandelnden Arzt.

Detailliertere Information:

Die Ballon-Kyphoplastie ist eine minimal-invasive Behandlungsmethode zur Behandlung schmerzhafter, osteoporotisch bedingter Wirbelkörper-Sinterungsfrakturen (Fraktur = Knochenbruch) im Bereich der Wirbelsäule. Bereits seit 1987 wurden Wirbelkörper mit Hämangiomen und in der weiteren Entwicklung mit Frakturen mittels Einspritzen flüssigen Knochenzementes behandelt („Vertebroplastie“). Das Verfahren der Kyphoplastie wurde 1998 von M.A.Reiley entwickelt. Durch die Expansion eines Ballons im betroffenen Wirbel ist es möglich, eine bessere Aufrichtung von Sinterungsfrakturen zu erreichen. Zusätzlich kommt es seltener zum Austritt von flüssigem Zement aus dem behandelten Wirbelkörper, da der Zement in den präformierten Hohlraum in dickflüssigerem Zustand und mit geringerem Druck eingebracht werden kann. Das Verfahren gilt im Vergleich zur Vertebroplastie als komplikationsärmer.

Angesichts eines jährlichen Auftretens von 225.000 Wirbelkörperfrakturen allein in Deutschland pro Jahr (Inzidenz) und der klinisch hervorragenden Erfolge bei sehr niedriger Komplikationsrate hat das Verfahren schnell eine weite Verbreitung gefunden und weltweit sind bereits über 100.000 Kyphoplastien durchgeführt worden

An unserer Abteilung wird die Kyphoplastie seit dem Jahr 2005 durchgeführt und zwar im Bereich der Lendenwirbelsäule als auch der mittleren und unteren Brustwirbelsäule, wo der weit überwiegende Teil der Sinterungsfrakturen lokalisiert ist. In den letzten Jahren wurden durchschnittlich etwa 40 Wirbel pro Jahr versorgt mit deutlich steigender Tendenz. Unsere Erfahrungen mit den Patienten decken sich mit den Ergebnissen durchgeführter Studien, welche eine ausgeprägte und anhaltende Beschwerdelinderung bzw.
Schmerzfreiheit bei 80 bis 90 Prozent aller mit diesem Verfahren versorgter Patienten feststellten.

Die Diagnostik beinhaltet neben der Durchführung von Röntgenaufnahmen auch eine Kernspintomografie (MRT) des betroffenen Wirbelabschnittes, um verheilte ältere osteoporotische Wirbelbrüche von frischen Frakturen sicher unterscheiden zu können.


In der Kernspintomografie stellt sich der frisch gebrochene Wirbel
schwarz gefärbt dar.

In Vollnarkose werden durch zwei kleine Schnitte im Bereich des Rückens Hohlnadeln in den betroffenen Wirbelkörper eingebracht, über die der gebrochene Wirbel mit einem aufblasbaren Ballon aufgerichtet wird. Der entstandene Hohlraum im Wirbelkörper wird über die Hohlnadeln mit schnell aushärtendem Knochenzement aufgefüllt.

Der etwa 30 bis 45 Minuten dauernde Eingriff ist gekennzeichnet durch:

  • Umgehende anhaltende Schmerzlinderung
  • Umgehendes Erreichen der Mobilität wie vor dem Eintreten der Fraktur.
  • Verhinderung einer Knickbildung der Wirbelsäule mit den daraus folgenden Konsequenzen wie Einschränkung der Atmung, Herz-Kreislauf-Problemen und Anfälligkeit für das Auftreten weiterer Wirbelkörperfrakturen.
  • Geringe Komplikationsrate.
  • Kurzer Klinikaufenthalt.
  • Minimaler Blutverlust.
  • Kein langwieriges Tragen von unbequemen Stützkorsetts

Die Durchführung des Eingriffes ist an unserer Abteilung von einer krankengymnastischen
Übungsbehandlung und Rückenschule begleitet. Das Vorliegen einer Osteoporose als Ursache der erlittenen Fraktur wird routinemäßig mittels Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) abgeklärt.


Liegt ein Kalkmangel des Knochens, eine sogenannte Osteoporose vor, so wird gemäß aktuellem Forschungsstand und Leitlinie der DVO von 2006 eine medikamentöse Therapie mit knochenaufbauenden Medikamenten eingeleitet.

DVO-Leitlinie Osteoporose 2006

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  DVO-Leitlinie Osteoporose 2006

Weiterführende Fachliteratur:

  • Becker S, Chavanne A, Meissner J, Bretschneider W, Ogon M (2004)
    Die minimal-invasive chirurgische Versorgung osteoporotischer Wirbelfrakturen mit Vertebroplastie und Kyphoplastie. J Miner Stoffwechs 11 (Suppl 1):4-7
  • Blauth M, Bas ti an L, Knop C et al. (1999) Interobserverreliabilität bei der Klassifikation von thorakolumbalen Wirbelsäulenverletzungen.
    Orthopäde 28: 662–681
  • Cooper C, Atkinson ES, Melton LJ (1992) The incidence of clinically diagnosed vertebral fractures: a population based study in Rochester. J Bone Miner Res. 7: 221–228
  • Da Fonseca K, Grafe I, Hillmeier J et al. (2004) Kyphoplastie mit ‚Biozement’. J Miner Stoffwechs 11: 16–19
  • Deramond H, Depriester C, Galibert P, Le Gars D (1998) Percutaneous vertebroplasty with polymethylmethacrylate. Technique, indications, and results. Radiol Clin North Am 36: 533–546
  • Grafe IA, Da Fonseca K, Hillmeier J et al. (2005) Reduction of pain and fracture incidence after kyphoplasty: 1-year outcomes of a prospective con trolled trial of patients with primary osteoporosis. Osteoporos Int 16: 2005–2012
  • Haas H, Amling M, Baier M Blattert T Euler E, Götte S, Kaps P, Kasperk H, Kurth A, Meeder PJ, Schwarz H, Steinleitner WE, Weißkopf M (2008) Zur Anwendung der Ballon-Kyphoplastie/ Vertebroplastie. Osteologie 17:11-16
  • Harrington KD (1981) The use of methylmethacrylate for vertebral-body replacement and anterior stabilization of pathological fracture-dislocations of the spine due to metastatic malignant disease.
    J Bone Joint Surg Am 63: 36–46
  • Heini PF, Berlemann U (2002) Perkutane Zementierungstechniken zur Behandlung osteoporotischer Wirbelkörpersinterungen. Unfallchirurg 105:2-8.
  • Heini PF, Walchli B, Berlemann U (2000) Percutaneous transpedicular vertebroplasty with PMMA: operative technique and early results. A prospective study for the treat ment of osteoporotic compression fractu res.
    Eur Spine J 9: 445–450
  • Hillmeier J, Meeder PJ, Noeldge G, Kasperk C (2003) Minimalinvasive Reposition und innere Stabilisierung osteoporotischer Wirbelkörperfrakturen (Ballon-Kyphoplastie). Operat Orthop Traumatol 15: 343–362
  • Hillmeier J, Grafe I, DaFonseca K et al. (2004) Die Wer tigkeit der Ballonkyphoplastie bei der osteoporotischen Wirbelkörper fraktur. Ein interdisziplinäres Konzept. Orthopäde 33: 893–904
  • Kasperk C, Hillmei er J, Noldge G et al. (2005) Treatment of painful vertebral fractures by kyphoplasty in patients with primary osteoporosis: a prospective nonrandomized controlled study. J Bone Miner Res 20: 604–612
  • Lieberman IH, Dudeney S, Reinhardt MK (2001) Initial outcome and efficacy of kyphoplasty in the treatment of painful osteoporotic vert bral compression fractures. Spine 14: 1631–1638
  • Magerl F, Aebi M, Gertzbein D (1994) A comprehensive classification of thoracic and lumbar injuries. Eur Spine J 3: 184–201
  • Meeder PJ, Da Fonseca K, Hillmeier J et al. (2003) Kyphoplastie und Vertebroplastie bei Frakturen im hohen Lebensalter: Aufwand und Ergebnisse. Chirurg 74: 994–999
  • Melton LJ (1995) How many women have osteoporosis now? J Bone Miner Res 10: 175–177
  • Resch H, Rabl M, Klampfer H (2000) Operative vs. konservative Behandlung von Frakturen des thoracolumbalen Übergangs. Unfallchirurg 103: 281–288
  • Schofer MD, Illian CH, Illian JB, Kortmann HR (2008) Ballonkyphoplastie frischer Wirbelfrakturen bei alten Patienten. Orthopäde37:462-469
  • Silverman SL (1992) The clinical consequences of vertebral compression fracture.
    Bone [Sup pl 2] 13:S27–31
  • Verlaan JJ, Van Helden WH, Oner FC, Verbout AJ (2002) Balloon vertebroplasty with calcium phosphate cement augmentation for direct restoration of traumatic thoraco lumbar verte bral fractures. Spine 27: 543–548
  • Voggenreiter G, Brocker K, Röhrl B, Sadick M, Obertacke U (2008)
    Ergebnisse der Ballonkyphoplastie in der Behandlung  von osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen.
    Unfallchirurg 111:408-413

Ballon-Kyphoplastie bei Wirbelkörperbrüchen

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  Fachartikel: Ballon-Kyphoplastie bei Wirbelkörperbrüchen
Aus aktuellem Anlass
  • Vertebroplastie (Zement-stabilisierung) bei oste-oporotischen Wirbel-brüchen wirklich wirksam? - Experten-Kommentar zu
    den kürzlich veröffentlichten
    Studien.
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  • „FREE-Studie zum Nachweis der Wirksamkeit und Sicher-heit der „Kyphoplastie“ bei Wirbelkörperbrüchen.“
    » weiterlesen
        



1. Eingebrochener Wirbel
Abb.: 1. Eingebrochener Wirbel

Abb.: 2. Aufrichtung mit Ballon
Abb.: 2. Aufrichtung mit Ballon

Abb.: 3. Auffüllen mit Zement
Abb.: 3. Auffüllen mit Zement

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb.: Röntgenologisches Ergebnis nach Kyphoplastie zweier benachbarter Lendenwirbel.