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Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Sportmedizin und Alterstraumatologie

Hüftgelenksarthroskopie

Operationsbezeichnung
Arthroskopie Hüftgelenk, Hüftarthroskopie, Gelenkspiegelung des Hüftgelenkes

Wann ist die OP angezeigt?

  • Labrumläsionen (Gelenklippe der Pfanne)
    (evtl. auch bei Dysplasie zur Festlegung des weiteren Procederes)
  • Freie Gelenkkörper
  • Risse des Lig. Capitis Femoris (Hüftkopfband)
  • Unklare Hüftschmerzen
    (bei positiver Probeinfiltration mit Lokalanästhetikum (= Betäubungsmittel)!)
  • Schleimhautentzündung
  • Femoroazetabuläres Impingement (FAI) (siehe Detailinformationen)
  • Knorpelschäden und beginnendem Gelenkverschleiss (Hüftarthrose)

Seltene Indikationen:

  • Psoastendinitis (Entzündung der Sehne des Hüftbeugers)
  • Exploration bei liegender Hüft-Tep
  • Z. n. Morbus Perthes
  • Restbeschwerden nach hüftnahen Frakturen (Brüchen) oder Voroperationen (Umstellungen etc.)

Operationstechnik:
Ausspiegeln des Hüftgelenkes nach Einbringen einer Spezialkamera über winzige Hautschnitte (sogenannte "Schlüssellochchirurgie"). In gleicher Sitzung Entfernung von Schenkelhalsanomalien, freier Gelenkkörper, Labrumeinrisse oder entzündlicher Schleimhaut sowie Behandlung von Knorpelschäden (Glättung, Mikrofrakturierung). Diese erfolgt in Rückenlage auf einem Extensionstisch (Strecktisch), da hierzu am Bein „gezogen“ werden muss.


Vorbereitende Strecklagerung für eine Hüftarthroskopie
Abb. 1: Vorbereitende Strecklagerung für eine Hüftarthroskopie.


Krankenhausaufenthalt:
Die Operation wird im Rahmen eines ca. 5tägigen stationären Aufenthaltes durchgeführt.
Nachbehandlung:

  • Schrittweise Aufbelastung an Unterarmgehstützen bis zur Vollbelastung nach ca. 1-2 Wochen außer bei speziellen Knorpelersatzverfahren (dann meist 6 Wochen)
  • Begleitend krankengymnastische Übungsbehandlung und Thromboseprophylaxe

Detaillierte Informationen:
Neben anlagebedingten, entzündlichen, unfallbedingten (traumatischen) und durchblutungsbedingten Ursachen eines Hüftgelenkverschleisses (Coxarthrose) gibt es unter anderem noch mechanische Ursachen. Hierbei können Knochenbaustörungen (Schenkelhalsanomalien) während des Heranwachsens zu Engstellen bei der Bewegung im Hüftgelenk führen (femoroazetabuläres Impingement = Einklemmen zwischen Schekelhals und Hüftpfanne). Nicht selten sind die betroffenen Patienten des femoroazetabulären Impingements (Abkürzung: FAI) deutlich jünger als 40 Jahre alt. Durch das ständige Anstoßen des Schenkelhalses am Pfannenrand kommt es zu Umbauprozessen, die schließlich zu einer Arthrose führen.
Typischerweise kommt es bei Beugebewegungen und Rotation im Hüftgelenk zu Schmerzen, die in die Leistengegend ausstrahlen. Durch spezielle Untersuchungen (Röntgenbilder und Kernspintomographie (MRT) mit Kontrastmittel) kann eine solche Knochenbaustörung festgestellt werden.
Schematische Erläuterung der femoroazetabulären Impingements (FAI) 
Abb. 2: Schematische Erläuterung der femoroazetabulären Impingements (FAI)

Solange der Verschleiss mit den sekundären Veränderungen wie Knorpelschäden, Knochenanbauten (Osteophyten) und Gelenkdezentrierung nicht zu weit fortgeschritten ist, gilt der Grundsatz, das Hüftgelenk so lange als möglich zu erhalten. Hier kann mit einer Hüftgelenks-Arthroskopie (Schlüssellochchirurgie) das Impingement behoben und somit das Fortschreiten der Arthrose hinausgezögert werden.
Dabei kann - vergleichbar mit einer Kniegelenks-Arthroskopie - über kleine Hautschnitte mit einem Kamerasystem das Gelenk betrachtet und Knochenanbauten, entzündliche Schleimhaut, freie Gelenkkörper sowie eingerissene Knorpelstrukturen entfernt werden.
Somit kommt es zu einer verbesserten Beweglichkeit des Gelenkes und zu einer Schmerzlinderung, so dass die früher nur zur Verfügung stehende Alternative eines künstlichen Hüftgelenkes aufgeschoben werden kann.

Wann ist eine Arthroskopie der Hüfte angezeigt ?
Neben den Schenkelhalsanomalien und Anfangsstadien der Coxarthrose gibt es weitere Indikationen für eine Arthroskopie des Hüftgelenkes. Hierzu zählen Labrumläsionen (Einriss der Gelenklippe), freie Gelenkkörper, Erkrankungen der Gekenkschleimhaut, eitrige Hüftgelenksentzündung und unklare Hüftschmerzen. Auch nach Voroperationen oder Unfällen oder gar nach Hüftendoprothese kann eine Hüftarthroskopie sinnvoll sein.
Neben der Untersuchung der Hüfte und durch spezielle Tests (Apprehension-Test, Impingement-Test….) und einer Befragung zur Vorgeschichte spielt bei der Diagnosestellung das Röntgenbild und vor allem das MRT (Kernspintomographie) mit ins Gelenk gespritztem Kontrastmittel (Arthro-MRT) eine wichtige Rolle. Gleichzeitig kann durch Injektion von Betäubungsmittel (Probeinfiltration) gezielt in das Hüftgelenk unter Bildwandlerkontrolle unterschieden werden, ob die Schmerzen tatsächlich aus dem Hüftgelenk oder aber von benachbarten Strukturen (z.B. Muskeln und Sehnen) kommen. Erst dann wird die Indikation zur Operation gestellt.

Wie wird die Operation durchgeführt ?
Der Eingriff erfolgt in einer Vollnarkose und ist weitgehend unblutig. Über drei bis vier winzig kleine Hautschnitte wird eine Kamera und kleine Operationsinstrumente eingeführt und die Bilder auf einen Monitor übertragen. Je nach Befund erfolgt dann die Therapie. Liegt z.B. eine Knochenbaustörung im Bereich des Schenkelhalses vor, wird der überstehende Knochen mit kleinen Fräsen entfernt, so dass die Engstelle behoben wird und ein Anschlagen der Schenkelhalses am Labrum vermieden werden kann. Bei Labrumläsion wird der "geschädigte" Anteil, der die Schmerzen verursacht, soweit mit kleinen Schneideinstrumenten entfernt bis nur noch gesundes, festes Gewebe vorhanden ist. Knorpelschädigungen können geglättet oder in Form einer "Mikrofrakturierung" behandelt werden.
Die Operation kann je nach der Art und Menge der krankhaften Veränderungen zwischen 1 und 3 Stunden dauern. Hierbei gibt es zwei Operationsabschnitte: im ersten Abschnitt wird normalerweise das „zentrale Kompartiment“ behandelt (Labrum, freie Gelenkkörper, Veränderungen des Lig. Capitis femoris, Knorpelschäden an Pfanne und Kopf). Dies gelingt bei Erwachsenen nur, wenn man mit Hilfe eines speziellen Extensionstisches am Bein zieht und so erreicht, dass sich der Hüftkopf von der Pfanne entfernt damit genug Platz für das Einführen der Instumente entsteht.
Im zweiten Anschnitt der Operation wird dann der Zug am Bein aufgehoben und das „periphere Kompartiment“ des Hüftgelenkes behandelt. Neben Gelenkschleimhautentzündungen können hier auch die Formstörungen des Knochens durch Fräsungen an den entsprechenden Stellen angegangen werden. Hierbei kann das Hüftgelenk bewegt werden und somit beurteilt werden, wann die einklemmenden Knochenvorsprünge beseitigt sind.
Im St. Vinzenz-Hospital werden derzeit zwischen 5 und 10 Hüftarthroskopien pro Monat durchgeführt. Außerdem bilden wir als Ausbildungsklinik in Hospitationen interessierte Fachkollegen aus anderen Kliniken in diesem anspruchsvollen Operationsverfahren aus.

(Siehe Abbildungen 4-11 in der rechten Spalte)

 

Wie lange muß ich im Krankenhaus bleiben ?
Die Hüftgelenksarthroskopie wird in der Regel im Rahmen eines ca. 5-tägigen stationären Aufenthaltes durchgeführt. Die Vorbereitung auf die Operation erfolgt einige Tage vorher und beinhaltet neben der Untersuchung, der Aufklärung über die Operation, dem Anfertigen neuer Röntgenbilder und der Laborkontrolle auch das Gespräch mit dem Narkosearzt. 

Wie sieht die Nachbehandlung aus?
Nach der Operation ist eine krankengymnastische Übungsbehandlung mit Bewegungsübungen, Muskelkräfigung und Gangschulung besonders wichtig. Diese wird entweder durch uns oder Ihren weiterbehandelnden Arzt eingeleitet, um ein schnelles Erreichen der Gelenkfunktion zu gewährleisten.
Je nach Operationsverfahren ist eine Teilbelastung an Unterarmgehstützen für etwa eine bis zwei Wochen notwendig. Bei Knorpeltherapien sollte eine Entlastung von 6 Wochen eingehalten werden, damit sich das Ersatzknorpelgewebe aufbauen kann. In dieser Zeit ist eine Thrombosephylaxe mittels Heparinspritzen notwendig.
Anschließend erfolgt zügig die Belastungssteigerung in Abhängigkeit vom Beschwerdebild.

Welche Behandlungserfolge kann ich erwarten?
Der Erfolg der Behandlung richtet sich häufig nach der Schwere der Verschleissveränderungen (Arthrose) im Hüftgelenk. Aber auch hier gibt die Mehrzahl der Patienten eine Beschwerdelinderung an. Wie lange bei vorbestehender Arthrose der Behandlungserfolg anhält ist sehr unterschiedlich, doch selbst wenn einmal ein künstliches Hüftgelenk erforderlich wird, hat man durch die Voroperation der Hüftarthroskopie nahezu keine Beeinflussung des Zuganges oder der Haltbarkeit der Prothese zu erwarten, was bei offenen Voroperationen der Fall sein kann!.

Am dankbarsten sind meist Patienten mit freien Gelekkörpern und einklemmenden Labrumläsionen sowie mit FAI ohne wesentliche Knorpelschäden.

Weiterführende Fachliteratur:

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Hüftgelenksarthroskopie

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  Fachartikel


Abb. 3: Spezialinstrumente und Shaver für die Hüftarthroskopie
Abb. 3: Spezialinstrumente und Shaver für die Hüftarthroskopie

Abb.: 4 Extension und Zugänge im zentralen Kompartiment
Abb. 4: Extension und Zugänge im zentralen Kompartiment
Abb. 5: Blick auf Hüftpfanne links und Hüftkopf rechts
Abb. 5: Blick auf Hüftpfanne links und Hüftkopf rechts

Abb. 6: IV° Knorpelschaden anterolaterale Pfanne und Synovialitis Lig. Cap. Femoris
Abb. 6: IV° Knorpelschaden anterolaterale Pfanne und Synovialitis Lig. Cap. Femoris

Abb. 7: Mikrofrakturierung IV° Knorpelschaden Hüftpfanne
Abb. 7: Mikrofrakturierung IV° Knorpelschaden Hüftpfanne

Abb. 8: Entfernung eines freien Gelenkkörpers mit Spezialzange
Abb. 8: Entfernung eines freien Gelenkkörpers mit Spezialzange
Abb. 9: Fräsung bei Cam-Impingement (Bildwandlerbild) 
Abb. 9: Fräsung bei Cam-Impingement (Bildwandlerbild)

Abb. 10: Fräsung bei Cam-Impingement arthroskopisch
Abb. 10: Fräsung bei Cam-Impingement arthroskopisch

Abb. 11: Postoperative Kontrolle nach Entfernung
Abb. 11: Postoperative Kontrolle nach Entfernung des „Bumps“ bei Cam-Impingement