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Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Sportmedizin und Alterstraumatologie

Endoprothetik des Kniegelenkes

Die Endoprothetik des Kniegelenkes hat in den letzten 15 Jahren einen beispiellosen Siegeszug angetreten. Die Zahl der implantierten Knieprothesen hat die der Hüftprothesen mittlerweile eingeholt und es wird davon ausgegangen, dass mittlerweile weltweit mit steigendender Tendenz mehr als 500.000 Knieendoprothesen eingesetzt werden. Es handelt sich also um ein anerkanntes Verfahren, um zerstörte Gelenkanteile im Knie zu ersetzen.

Das Alter der Patienten, bei denen eine Indikation zur Knieprothese besteht, liegt in der Regel bei über 60 Jahren. Angesichts der sich immer länger entwickelnden Standzeiten besteht heute jedoch auch bei jüngeren Patienten zwischen 50 und 60 Jahren die Möglichkeit einer endoprothetischen Versorgung, wenn diese als letzte Möglichkeit nach Ausschöpfung sämtlicher anderer Methoden verbleibt (s. unter Kniegelenksverletzungen).

Das künstliche Kniegelenk ist dem menschlichen Knie in Form und Funktion nachgebildet. Die Größe orientiert sich ebenfalls am individuellen Maß eines jeden Patienten und kann durch die präoperative Planung anhand von Röntgenbildern sowie durch Anlegen von Probeprothesen während der Operation bestimmt werden. Die genaue Größenbestimmung ist nur einer von mehreren Vorteilen des von uns routinemäßig verwendeten computergesteuerten Navigationsgerätes.

Die Knieprothese wird meistens durch den sogenannten Knochenzement fixiert, der eine feste Verbindung zwischen Knochen und Prothese herstellt. Insbesondere bei jüngeren Menschen besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Knieprothese zementfrei fixiert wird und das Metall (Titan) selbst eine innige Verbindung mit dem Knochen eingeht.

Je nach Fortschritt und Lokalisation der Gelenkschäden kann man zwischen drei Kniegelenksprothesen unterscheiden, deren Implantation an unserer Abteilung durchgeführt wird:

Der einseitige Oberflächenersatz (Hemiendoprothese):
  • Hierbei ist nur eine Seite des Kniegelenkes zerstört (häufig die innere). Es wird eine Prothese auf die betroffene Oberschenkelrolle aufgesetzt („Schlittenprothese“). Diese gleitet dann bei der Bewegung des Knies auf dem Kunststoffblock, der, zusammen mit einem Metallunterteil, auf der entsprechenden Seite des Schienbeinkopfes aufgesetzt wird. Die Vorteile des Verfahrens sind der geringere Operationsaufwand, die Weichteilschonung durch einen kleineren Zugang und damit verbunden eine schnellere Rehabilitation. Durch den geringen Knochenverbrauch der Schlitttenprothese ist später bei einem Fortschreiten der Arthrose auch in den anderen Kniegelenksabschnitten der Wechsel der Prothese auf einen totalen Oberflächenersatz gut möglich.
Der totale Oberflächenersatz (Totale Endoprothese = TEP):
  • Hier werden beide Oberschenkelrollen mit einer gemeinsamen metallenen Gleitfläche versehen. Auch die Oberfläche des Schienbeinkopfes wird komplett durch eine Metallplatte ersetzt. Eine darauf aufgesetzte Kunststoffscheibe aus Polyethylen gewährleistet ein weitgehend reibungsfreies Gleiten. Sollte auch der Kniescheibenknorpel fortgeschritten abgenutzt sein, so wird auch er durch eine aufgesetzte Kunststoffscheibe ersetzt.
    Ist auch durch den Einsatz der Navigation aufgrund einer Vorschädigung der Bänder oder einer vorbestehenden ausgeprägten Achsabweichung zwischen Oberschenkel und Unterschenkel die Bandführung des Gelenkes nicht mehr gewährleistet, so wird die Prothese achsgeführt implantiert, d.h. die Führung zwischen den beiden Komponenten der Prothese wird durch ein Scharnier gesichert.
Der Ersatz nur der Oberflächen zwischen Kniescheibe und Kniescheibengleitlager
(Patellofemoraler Oberflächenersatz):
  • Ist durch die vorausgegangene Gelenkspiegelung eine fortgeschrittene Arthrose nur im Bereich der Gelenkfläche zwischen Kniescheibe und ihrem Gleitlager im Bereich des Oberschenkelknochens gesichert, so sollten bei entsprechenden Beschwerden auch nur diese Gelenkflächen durch eine Metallscheibe (Gleitlager) bzw. eine Kunststoffplatte ersetzt werden.

Die Lebensdauer einer Kniegelenksendoprothese (Standzeit) beträgt bei korrekter Implantationstechnik heute im Durchschnitt etwa 15 Jahre. Insbesondere durch die genaue Kontrolle der Achsausrichtung der Prothese kann die Verwendung einer computergesteuerten Navigation die Standzeit weiter verbessern. Deshalb wird das Gerät an unserer Abteilung routinemäßig bei der Einpflanzung jeder Totalendoprothese eingesetzt.

Die Nachbehandlung setzt gemäss unseres frühfunktionellen Therapiekonzeptes bereits am ersten Tag nach der Operation ein. Unser Team von Physiotherapeuten kümmert sich um die operierten Patienten täglich und trainieren die Mobilisierung aus dem Bett und das Gehen zunächst mit Hilfe von Unterarmgehstützen im Vierpunktgang. Eine kontinuierliche Steigerung der Kniebeweglichkeit wird durch den täglichen Einsatz der Motorschiene gewährleistet. Die insbesondere frühe postoperative Schmerzbehandlung wird in Zusammenarbeit mit den Ärzten und Ärztinnen aus der Abteilung der Anaesthesie und der Schmerzambulanz durchgeführt. Bei Bedarf kommen Schmerzkatheter zum Einsatz.

So erreichen wir es, dass unsere Patienten bei der Entlassung bereits eine Vollbelastung des endoprothetisch versorgten Kniegelenkes durchführen, welches in der Regel einen Bewegungsumfang von mindestens 90 Grad aufweist. Dies sind gute Voraussetzungen zum Antritt der folgenden stationären Rehabilitationsbehandlung an spezialisierten Kliniken, welche durch uns organisiert wird. Zirka drei Monate nach durchgeführter Operation bitten wir um Wiedervorstellung unserer Patienten zur Kontrolluntersuchung und Nachsorge.

Krankheitsbilder

Kniegelenksendoprothese

Kniegelenksendoprothese
Abb.: Röntgenbilder einer eingepflanzten zementierten totalen Kniegelenksendoprothese (TEP) von vorne und seitlich, hier ohne Ersatz der Kniescheibenrückfläche. Gut zu erkennen die schildartige Oberschenkelkomponente (oben) sowie die Schienbein-Basisplatte (unten).